Knowledgebase · Ganganalyse

Was bei der objektiven Ganganalyse gemessen werden kann

Grafik: Pferdeskelett mit den Messpunkten Kopf, Widerrist und Becken

Bei einer objektiven Ganganalyse werden nicht alle Bewegungen des Pferdes gleichermaßen erfasst. Für die Beschreibung des Gangbildes haben sich insbesondere die Bewegungen von Kopf, Widerrist und Becken als geeignete Parameter etabliert [1–4]. Bei allen drei Messpunkten wird die vertikale Verschiebung (die Auf- und Abwärtsbewegung) während des Trabes erfasst. Aus diesen Bewegungsverläufen können anschließend verschiedene Kennwerte berechnet und die Bewegungen der unterschiedlichen Körperregionen miteinander verglichen werden.

Warum gerade Kopf, Widerrist und Becken?

Die Bewegungen dieser Körperregionen zeigen während des Trabes charakteristische, rhythmische Muster. Bereits Untersuchungen aus den 1990er-Jahren haben gezeigt, dass sich die vertikale Bewegung von Kopf und Rumpf bei Veränderungen des Gangbildes verändert und entsprechende Bewegungsparameter objektiv quantifiziert werden können [1]. Die Bewegung des Widerrists liefert zusätzliche Informationen. Untersuchungen zeigen, dass die vertikale Widerristbewegung sowohl bei Vorder- als auch bei Hinterhandlahmheit charakteristische Veränderungen aufweisen und zur Beurteilung von Bewegungsasymmetrien herangezogen werden kann [2].

Die Bewegung des Beckens ist ebenfalls ein etablierter Parameter der objektiven Bewegungsanalyse, vor allem in Bezug auf Veränderungen der Hinterhandbewegung [3]. Auch Studien zur Übereinstimmung objektiv gemessener Asymmetrien mit der visuellen Beurteilung durch erfahrene Tierärzt:innen verwenden Kopf-, Widerrist- und Beckenbewegungen als Bewegungsparameter [4].

Und was ist mit den Beinen?

Die Bewegung der Gliedmaßen wäre natürlich ebenfalls interessant. Allerdings sind nicht alle Parameter der Beinbewegung für eine objektive Beurteilung des Gangbildes gleichermaßen geeignet. Zeitliche Parameter wie die Dauer von Stand- und Schwungphase können beispielsweise relativ unempfindlich und inkonsistent sein [5]. Es gibt allerdings einzelne Ausnahmen. Die maximale Streckung des Fesselgelenks und die maximale Beugung des Hufgelenks während der Standphase können wertvolle Informationen über die Gangmechanik liefern [5, 6]. Die Auswahl der Messpunkte ist also nicht zufällig, sondern basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen zur objektiven Bewegungsanalyse beim Pferd. Aus dem Zusammenspiel dieser Bewegungsverläufe können Bewegungsasymmetrien und unterschiedliche Bewegungsmuster objektiv beschrieben und über mehrere Messungen hinweg miteinander verglichen werden [1–4].

Wichtig: Eine Bewegungsasymmetrie ist dabei zunächst eine Beschreibung eines Bewegungsmusters und keine Diagnose. Die Beurteilung einer Lahmheit und deren Ursache gehört in die tierärztliche Untersuchung.

Quellen

[1] Buchner H.H.F., Savelberg H.H.C.M., Schamhardt H.C., Barneveld A. (1996). Head and trunk movement adaptations in horses with experimentally induced fore- or hindlimb lameness. Equine Veterinary Journal, 28, 71–76.

[2] Rhodin M., Persson-Sjodin E., Egenvall A. et al. (2018). Vertical movement symmetry of the withers in horses with induced forelimb and hindlimb lameness at trot. Equine Veterinary Journal, 50, 818–824.

[3] Kramer J., Keegan K.G., Kelmer G., Wilson D.A. (2004). Objective determination of pelvic movement during hind limb lameness by use of a signal decomposition method and pelvic height differences. American Journal of Veterinary Research, 65, 741–747.

[4] Macaire C., Hanne-Poujade S., De Azevedo E. et al. (2022). Investigation of Thresholds for Asymmetry Indices to Represent the Visual Assessment of Single Limb Lameness by Expert Veterinarians on Horses Trotting in a Straight Line. Animals, 12, 3498.

[5] Keegan K.G. (2020). Subjective assessment of lameness. In: Baxter G.M. (Hrsg.), Adams and Stashak’s Lameness in Horses, 7. Auflage.

[6] Buchner H.H.F., Savelberg H.H.C.M., Schamhardt H.C., Barneveld A. (1996). Limb movement adaptations in horses with experimentally induced fore- or hindlimb lameness. Equine Veterinary Journal, 28, 63–70.

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