Ablauf einer objektiven Ganganalyse

  1. Schritt 1: Messstrecke

    Aufbau der Messstrecke in deinem Heimatstall

  2. Schritt 2: Pferd

    Vortraben an der Hand

  3. Schritt 3: Videoaufnahmen

    Dokumentation des Gangbildes deines Pferdes per Video

  4. Schritt 4: Künstliche Intelligenz

    Erfassung wichtiger Bewegungsparameter

  5. Schritt 5: Auswertung

    detaillierte Auswertung der Bewegungsdaten

Vor der Ganganalyse

Geeignete Messstrecke finden

Bevor ich zu dir in den Stall komme, besprechen wir gemeinsam die Gegebenheiten vor Ort und legen fest, wo die Messstrecke aufgebaut werden kann. Wichtig ist, dass wir möglichst ruhig arbeiten können und die Strecke frei von Hindernissen ist. Ideal ist ein ebener, harter Untergrund wie Asphalt. Den Messbereich markieren wir mit Hütchen, die dein Pferd vor der Aufnahme in Ruhe kennenlernen kann.

Durch den standardisierten Messaufbau können die Aufnahmen unter vergleichbaren Bedingungen durchgeführt werden. Das ist besonders wichtig, wenn zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere Ganganalyse als Verlaufskontrolle durchgeführt wird.

Vorbereitung deines Pferdes

Bei Pferden mit längerer Mähne sollte diese eingeflochten werden, sodass Kopf und Widerrist während der Aufnahme gut sichtbar bleiben. Für die Messung eignet sich ein Stallhalfter, Kappzaum oder Knotenhalfter mit einem längeren Strick bzw. einer Longe. Auf Beinschutz solltest du möglichst verzichten. An deinem Pferd wird kein zusätzliches Equipment befestigt.

Dein Pferd darf sich zudem in Ruhe an die Messstrecke gewöhnen. Die Hütchen, die die Messstrecke kennzeichnen, können vor Beginn der Aufnahme kennengelernt und beschnuppert werden. Bei Bedarf machen wir einige Probedurchgänge, damit sich dein Pferd die Strecke ansehen kann.

Was wir vor Ort brauchen

  • 12 m Messstrecke: Die Messstrecke ist genau 12 m lang. Zusätzlich brauchen wir Platz zum Antraben, Abbremsen und Wenden. Ideal ist daher eine gerade Strecke von mindestens 20 m Länge.

  • 12 m Kameraabstand: Die Kamera wird 12 m vor der Mitte der Messstrecke aufgestellt. So ist ein standardisierter Messaufbau gewährleistet.

  • Freies Sichtfeld: Die gesamte Messstrecke muss von der Kameraposition aus frei sichtbar sein. Es dürfen sich keine Hindernisse im Aufnahmebereich befinden.

Skizze des standardisierten Messaufbaus: 12 m Messstrecke, Kamera in 12 m Abstand zur Mitte der Strecke

Während der Ganganalyse

Die Datenerfassung in Form von mehreren Videoaufnahmen dauert nur etwa 10 bis 15 Minuten. Du führst dein Pferd dabei im Trab etwa zehnmal über die vorbereitete Strecke. Der Strick bzw. die Longe bleibt dabei möglichst locker, damit dein Pferd sich natürlich bewegen kann. Wie viele Durchgänge schlussendlich notwendig sind, hängt unter anderem davon ab, wie viele verwertbare Bewegungszyklen aufgezeichnet werden können. Wenn sich dein Pferd beispielsweise schüttelt oder wegdreht, wiederholen wir diesen Durchgang einfach. Und falls du nach ein paar Durchgängen etwas außer Atem bist: Keine Sorge, damit hast du deine heutige Sporteinheit auch schon erledigt :) Kurze Pausen zwischen den Durchgängen sind natürlich kein Problem.

Nach der Ganganalyse

Sobald ausreichend Videomaterial aufgenommen wurde, werden die Aufnahmen zunächst händisch überprüft und aufbereitet. Nicht verwertbare Gangzyklen werden dabei aussortiert. Anschließend werden die relevanten Orientierungspunkte Auge, Widerrist und Kreuzbein mithilfe eines speziell trainierten KI-Modells in den Videos erfasst. Die dafür verwendete Methode basiert auf meiner Masterarbeit. Für jeden dieser Punkte werden die Bewegungsdaten über mehrere Gangzyklen zusammengefasst und ausgewertet.

Aus dem aufgezeichneten Bewegungsverlauf werden unter anderem der Mittelwert und die Standardabweichung berechnet. Die Ergebnisse werden anschließend anhand der aktuellen wissenschaftlichen Literatur interpretiert. Du erhältst einen schriftlichen Bericht, in der Regel innerhalb einer Woche nach der Ganganalyse, der die Ergebnisse zusammenfasst und das Bewegungsmuster deines Pferdes nachvollziehbar dokumentiert.

Je nach Datenlage können dabei asymmetrische Bewegungsmuster von Kopf, Widerrist und Becken sichtbar werden. In manchen Fällen können diese Muster mit der Bewegung einer bestimmten Körperseite bzw. eines bestimmten Beins in Zusammenhang stehen. Eine Ganganalyse allein kann jedoch nicht zuverlässig bestimmen, ob es sich dabei um eine primäre Auffälligkeit oder eine kompensatorische Bewegung handelt. Auch eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten Ursache ist alleine aufgrund von Bewegungsdaten nicht möglich.

Bei auffälligen Ergebnissen empfehle ich daher, diese gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt zu beurteilen und bei Bedarf weiterführend abklären zu lassen.

Wissenswertes rund um die objektive Ganganalyse

Was genau wird bei der Ganganalyse erfasst?

Bei der Ganganalyse wird die vertikale Bewegung von Kopf, Widerrist und Becken während des Trabs erfasst. Dafür werden mehrere vollständige Bewegungszyklen aufgezeichnet und anschließend ausgewertet. Aus den Bewegungsverläufen werden unter anderem Mittelwerte und Standardabweichungen berechnet. So können Unterschiede zwischen der linken und rechten Körperseite bzw. zwischen verschiedenen Körperregionen sichtbar gemacht und über mehrere Untersuchungen hinweg miteinander verglichen werden.

Warum werden nur Kopf, Widerrist und Becken gemessen?

Kopf, Widerrist und Becken gehören zu den Körperbereichen, deren vertikale Bewegung während des Trabs gut messbar ist und die in der objektiven Ganganalyse eine wichtige Rolle spielen. Aus ihren Bewegungsverläufen lassen sich charakteristische Bewegungsasymmetrien beschreiben. Die drei Messpunkte ermöglichen dabei, die Bewegung von Vorder- und Hinterhand sowie mögliche Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Körperregionen zu betrachten.

Warum werden die Videos nur von einer Seite aufgenommen?

Mein Ganganalyse-System basiert auf einer zweidimensionalen Aufnahme in der Seitenansicht. Die Kamera steht dabei senkrecht zur Bewegungsrichtung des Pferdes und erfasst die Bewegung in der sogenannten Sagittalebene. Diese Anordnung ermöglicht es, die vertikale Bewegung der definierten Messpunkte über die Zeit zu erfassen und miteinander zu vergleichen. Eine Aufnahme von mehreren Seiten würde zusätzliche räumliche Informationen liefern, wäre aber ein deutlich aufwendigeres und teureres Messverfahren. Wichtig: Die Aufnahme von nur einer Seite bedeutet nicht, dass nur diese Körperseite ausgewertet wird. Die Bewegungsmuster werden über mehrere Bewegungszyklen betrachtet und hinsichtlich ihrer Symmetrie ausgewertet.

Wie erkennt die künstliche Intelligenz die Bewegungen meines Pferdes?

Die künstliche Intelligenz wurde darauf trainiert, bestimmte Orientierungspunkte am Pferd in den einzelnen Videobildern zu erkennen. Dazu gehören das Auge als Orientierungspunkt für den Kopf, der Widerrist und das Kreuzbein. Das Modell wurde anhand von manuell markierten Bildern trainiert. Bei der späteren Auswertung erkennt es diese Punkte selbstständig in den einzelnen Videobildern und gibt für jeden Bildzeitpunkt deren Position aus. Die künstliche Intelligenz interpretiert dabei nicht, ob ein Pferd lahmt. Eine Lahmheit ist eine tierärztliche Diagnose und deren Beurteilung ist der Tierärztin bzw. dem Tierarzt vorbehalten. Ihre Aufgabe besteht lediglich darin, die zuvor festgelegten Orientierungspunkte im Videomaterial zuverlässig zu erfassen.

Wie werden aus dem Videomaterial Messdaten?

Aus jedem Videobild erhält das KI-Modell die Position der definierten Orientierungspunkte. Dadurch entsteht für jeden Messpunkt eine zeitliche Bewegungskurve. Da die Aufnahme unter einem standardisierten Messaufbau erfolgt, können die Bildkoordinaten anschließend anhand der bekannten Abmessungen der Messstrecke in reale Distanzen umgerechnet werden. Aus den so gewonnenen Bewegungsverläufen werden mehrere Bewegungszyklen zusammengefasst und statistisch ausgewertet. So entstehen messbare Kennwerte, mit denen sich die Bewegung deines Pferdes beschreiben und bei späteren Untersuchungen vergleichen lässt.

Was genau ist die Aufgabe der künstlichen Intelligenz?

Die KI übernimmt bei meiner Ganganalyse vor allem die automatische Erfassung der definierten Orientierungspunkte im Videomaterial. Dadurch muss nicht jedes einzelne Videobild manuell ausgewertet werden. Aus den erkannten Positionen entstehen anschließend die Bewegungskurven, die für die weitere statistische Auswertung verwendet werden. Die Interpretation der Ergebnisse erfolgt anschließend nicht durch die KI allein, sondern auf Grundlage der berechneten Messwerte und der aktuellen wissenschaftlichen Literatur.

Wie genau ist die Ganganalyse?

Die Genauigkeit der Ganganalyse hängt unter anderem von der Qualität der Videoaufnahme, dem Messaufbau und der Erkennung der Orientierungspunkte durch das KI-Modell ab. Deshalb ist ein standardisierter Messaufbau besonders wichtig. In meiner Masterarbeit wurde die Genauigkeit des verwendeten KI-Modells anhand von 33 Pferden untersucht. Das Modell erreichte dabei einen durchschnittlichen Testfehler von 3,51 Pixeln, was unter den Bedingungen der damaligen Untersuchung etwa 21,94 mm entsprach. Die 21,94 mm sind dabei nicht als pauschale Messungenauigkeit jeder einzelnen Bewegung zu verstehen. Der Trainingsfehler lag bei 2,19 Pixeln bzw. 13,69 mm. Die Ergebnisse zeigten, dass die markerlose Erfassung der definierten Orientierungspunkte ausreichend genau war, um die daraus gewonnenen Bewegungsdaten weiter auszuwerten. Gleichzeitig ist die Messung nicht völlig fehlerfrei: Die Genauigkeit kann beispielsweise durch die Auflösung, die Bildfrequenz, die Position des Pferdes innerhalb der Messstrecke oder die Sichtbarkeit der Orientierungspunkte beeinflusst werden. Die genannten Werte beschreiben somit lediglich die Genauigkeit der Bewegungserfassung durch das KI-Modell.

Was kann ich aus den Ergebnissen herauslesen?

Die Ergebnisse zeigen, wie sich Kopf, Widerrist und Becken während des Trabs bewegen und ob dabei Unterschiede zwischen den Körperseiten auftreten. Je nach Datenlage können bestimmte Bewegungsmuster sichtbar werden, die beispielsweise mit der Bewegung einer bestimmten Körperseite oder eines bestimmten Beins zusammenhängen können. Eine solche Zuordnung ist jedoch nicht immer eindeutig möglich, da Bewegungsasymmetrien auch durch kompensatorische Bewegungen entstehen können. Die Ergebnisse eignen sich daher insbesondere dazu, das individuelle Bewegungsmuster deines Pferdes zu dokumentieren und bei späteren Ganganalysen Veränderungen miteinander zu vergleichen.

Kann die Ganganalyse eine Lahmheit feststellen?

Nein. Eine Lahmheit ist eine tierärztliche Diagnose und deren Beurteilung ist der Tierärztin bzw. dem Tierarzt vorbehalten. Die Ganganalyse kann Bewegungsasymmetrien objektiv erfassen und dokumentieren, die unter anderem im Zusammenhang mit einer Lahmheit auftreten können. Eine festgestellte Asymmetrie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Pferd lahm ist oder wo die Ursache einer Auffälligkeit liegt. Die Ergebnisse der Ganganalyse ersetzen daher keine tierärztliche Lahmheitsuntersuchung. Bei auffälligen Ergebnissen oder einem Verdacht auf eine gesundheitliche Ursache empfehle ich, diese mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt zu besprechen und gegebenenfalls weiter abklären zu lassen.

technischer Hintergrund der Ganganalyse

Coming soon: buchbar ab 01. Februar 2027

Du hast vorab Fragen zu meinen Leistungen? Schreib mir gerne!

Newsletter abonnieren

Erhalte Neuig­keiten, hilfreiche Tipps und Hinter­grund­wissen rund um Pferde­massage, Bewegung und Training. Als Danke­schön für deine An­meldung erhältst du 5 % Rabatt auf deine erste Buchung.

Folge mir auf Instagram

Spannende Ein­blicke in meine Arbeit, Wissens­wertes rund um Massage, Training und Bio­mechanik von Pferden sowie Neuig­keiten rund um die Gang­analyse findest du auf Instagram.

@ganganalyse.at