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Stangenarbeit: Mehr als nur Beine heben

Grafik: Pferd von oben beim Übertreten von Bodenstangen

Trab- und Bodenstangen gehören zu den Übungen, bei denen sich die Bewegung des Pferdes unmittelbar verändert. Aber was genau verändert sich eigentlich? Und spielt es eine Rolle, wie hoch die Stangen sind oder wie weit sie auseinanderliegen? Drei experimentelle Studien haben unterschiedliche Aspekte dieser Frage untersucht. Dabei wurden unter anderem die Bewegung der Gliedmaßen, die Aktivität des tiefen Rückenmuskels Multifidus sowie die Bewegungen von Wirbelsäule und Becken untersucht [1–3].

Die Hufe werden beim Traben deutlich höher angehoben

Brown et al. [1] untersuchten acht Pferde beim Traben ohne Stangen sowie über 11 cm und 20 cm hohe Stangen. Dabei wurde die Bewegung der Gliedmaßen mit einem dreidimensionalen Bewegungserfassungssystem aufgezeichnet. Ohne Stangen erreichte der Vorderhuf während der Schwungphase im Mittel eine maximale Höhe von 13,8 cm, der Hinterhuf 10,8 cm. Über 11 cm hohe Stangen stiegen diese Werte auf 30,9 cm beziehungsweise 24,9 cm. Bei den 20 cm hohen Stangen wurden schließlich 41,0 cm für den Vorderhuf und 32,7 cm für den Hinterhuf gemessen. Die zusätzliche Hufhöhe entstand dabei vor allem durch eine stärkere Beugung der Gliedmaßen während der Schwungphase.

Brown et al. [1] stellten bei mehreren Gelenken eine zunehmende Flexion fest, unter anderem an Hüfte, Knie, Sprunggelenk und distalen Gelenken der Hintergliedmaße sowie an Schulter, Ellbogen, Karpal- und distalen Gelenken der Vordergliedmaße. Interessant ist außerdem, dass sich die Pferde mit zunehmender Stangenhöhe etwas langsamer bewegten. Die durchschnittliche Geschwindigkeit sank von 3,03 m/s ohne Stangen auf 2,91 m/s über den niedrigen und 2,87 m/s über den hohen Stangen. Gleichzeitig verlängerte sich die Schrittdauer, während sich die Schrittlänge nicht signifikant unterschied.

Unterschiede in der Muskelaktivität

Die Veränderungen beschränken sich allerdings nicht auf die Gliedmaßen. Ursini et al. [2] untersuchten die elektrische Aktivität des M. Multifidus, eines tief liegenden Muskels entlang der Wirbelsäule, während vier Pferde verschiedene Übungen im Trab ausführten. Verglichen wurde unter anderem das Traben ohne Stangen mit dem Traben über Bodenstangen. Die Aktivität des M. Multifidus wurde dabei mittels Feinnadel-Elektromyografie an den Wirbelsäulenabschnitten T12, T18 und L5 beidseits erfasst. Beim Traben über die Bodenstangen nahm die durchschnittliche Muskelaktivität an allen untersuchten Messstellen gegenüber dem Traben ohne Stangen um etwa 20 bis 51 % zu. Auch die jeweils höchste gemessene Aktivität stieg an allen Messstellen um etwa 15 bis 66 %. Damit zeigt die Studie nicht nur eine Veränderung der sichtbaren Bewegung. Sie konnte auch eine Veränderung der elektrischen Muskelaktivität des Multifidus während der Übung messen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass durch Stangenarbeit langfristig mehr Muskulatur aufgebaut wird. Die Untersuchung hat die Muskelaktivität während der jeweiligen Übung gemessen, nicht den langfristigen Trainingseffekt.

Stangenabstand

Eine neuere Studie von Douglas et al. [3] untersuchte eine etwas andere Frage: Was passiert, wenn nicht die Höhe, sondern der Abstand zwischen den Bodenstangen verändert wird? Dafür wurden elf Warmblutpferde im Schritt an der Hand über fünf Bodenstangen geführt. Die Abstände entsprachen 85 %, 100 % oder 105 % der individuellen Vorderbein-Schrittlänge. Dabei zeigte sich zunächst, dass die Bewegung des Sprunggelenks über den Stangen deutlich zunahm. Die Bewegungsweite des Tarsalgelenks lag ohne Stangen bei durchschnittlich 38,0° und stieg über die verschiedenen Stangenbedingungen auf etwa 62,1–64,2°. Der Abstand zwischen den Stangen beeinflusste dagegen andere Bewegungsparameter. Bei einem Abstand von 85 % der individuellen Schrittlänge war die Protraktions-Retraktions-Bewegung der Vordergliedmaßen geringer. Auch die maximale Protraktion der Hintergliedmaßen und deren Bewegungsumfang waren bei diesem kürzeren Abstand teilweise reduziert.

Mitwirken der Wirbelsäule

Douglas et al. [3] untersuchten zusätzlich die Bewegungen verschiedener Abschnitte der Brust- und Lendenwirbelsäule. Beim Gehen über Stangen nahm die Bewegungsweite an T10 und teilweise auch an T13 gegenüber dem Gehen ohne Stangen zu. Besonders interessant war dabei die Extension der Brustwirbelsäule. Bei 100 % und 105 % der individuellen Schrittlänge nahm die maximale Extension an T10 und T18 gegenüber dem Gehen ohne Stangen zu. Bei T13 war die maximale Extension sogar über alle untersuchten Stangenabstände erhöht. Die kürzere Distanz von 85 % führte dagegen an T10 zu einem geringeren Bewegungsumfang als die 100-%-Bedingung. Die Autoren beschreiben deshalb, dass ein kürzerer Stangenabstand die thorakale Extension möglicherweise weniger stark ausprägt. Eine Veränderung der Beckenbewegung wurde in dieser Studie dagegen nicht festgestellt.

Die drei Studien zeigen damit unterschiedliche Aspekte der Stangenarbeit:

  • Beim Traben über höhere Stangen werden die Gliedmaßen stärker gebeugt und die Hufe deutlich höher angehoben [1].
  • Beim Traben über Bodenstangen steigt außerdem die gemessene elektrische Aktivität des Multifidus [2].
  • Beim Gehen über Bodenstangen verändert sich wiederum die Bewegung von Gliedmaßen und Brustwirbelsäule. Dabei macht auch der Abstand zwischen den Stangen einen Unterschied [3].

Gerade der letzte Punkt ist interessant: Stangenarbeit ist biomechanisch nicht einfach eine einzelne Übung mit einem immer gleichen Effekt. Höhe, Abstand und Gangart können beeinflussen, welche Bewegungen sich verändern.

Was man daraus nicht ableiten kann

Die Studien zeigen unmittelbare Veränderungen während der jeweiligen Übungen. Sie untersuchen aber nicht, ob regelmäßiges Stangentraining über Wochen oder Monate beispielsweise zu mehr Muskelmasse, mehr Kraft oder einer besseren Koordination führt. Auch lässt sich daraus nicht ableiten, dass ein bestimmter Stangenabstand grundsätzlich für jedes Pferd „besser“ ist. Douglas et al. [3] weisen selbst darauf hin, dass ihre Untersuchung nur das Gehen in gerader Linie an der Hand betrachtet und die Ergebnisse deshalb nicht ohne Weiteres auf andere Situationen wie gerittenes Training, höhere Gangarten oder Zirkel übertragen werden können. Was die Studien dagegen ziemlich konkret zeigen, ist etwas anderes: Stangen können die Bewegung des Pferdes beeinflussen. Wie diese Veränderung aussieht, hängt unter anderem davon ab, wie das Pferd über die Stangen geht und wie die Stangen angeordnet sind.

Quellen

[1] Brown S, Stubbs NC, Kaiser LJ, Lavagnino M, Clayton HM. Swing phase kinematics of horses trotting over poles. Equine Veterinary Journal. 2015;47(1):107–112. doi: 10.1111/evj.12253.

[2] Ursini T, Shaw K, Levine D, Richards J, Adair HS. Electromyography of the multifidus muscle in horses trotting during therapeutic exercises. Frontiers in Veterinary Science. 2022;9:844776. doi: 10.3389/fvets.2022.844776.

[3] Douglas L, Maddock C, Parker R, MacKechnie-Guire R, Walker V. Does the Distance Between Ground Poles Affect Limb, Spinal and Pelvic Kinematics in Horses When Walking In-Hand? Animals. 2026;16:1938. doi: 10.3390/ani16131938.

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