„Lateralität bei Pferden“ von Konstanze Krüger, Isabell Marr und Kate Farmer

Bei Pferden wird schnell von „Schiefe“, „Händigkeit“ oder der bevorzugten Hand gesprochen. Was genau dahintersteckt, ist allerdings deutlich komplexer. Das Buch „Lateralität bei Pferden“ von Konstanze Krüger, Isabell Marr und Kate Farmer beschäftigt sich genau mit diesen Zusammenhängen. Es geht um körperliche Schiefe, motorische Händigkeit und sensorische Lateralität und darum, wie diese Aspekte bei Pferden beobachtet und verstanden werden können.
Was ich an diesem Buch besonders mag, ist, dass Lateralität nicht auf ein simples „links oder rechts“ reduziert wird. Die Autorinnen betrachten verschiedene Ebenen: Wie nutzt ein Pferd seinen Körper? Welche Seite bevorzugt es bei bestimmten Bewegungen? Welche Rolle spielen Wahrnehmung und Informationsverarbeitung? Gerade diese Verbindung finde ich spannend, weil Bewegung dadurch nicht isoliert betrachtet wird.
Ein großer Teil des Buches beschäftigt sich mit der körperlichen Schiefe. Dabei wird unter anderem beschrieben, dass eine Körperseite stärker gedehnt und die andere stärker verkürzt sein kann. Gleichzeitig kann sich die sichtbare Form der Wirbelsäule abhängig von der Körperhaltung verändern. Das finde ich besonders interessant, weil es zeigt, wie vorsichtig man mit einer Momentaufnahme sein sollte.Ein Pferd kann beispielsweise auf einem Foto deutlich schief aussehen und seine Wirbelsäule in einer anderen Körperhaltung trotzdem wesentlich gerader zeigen. Genau solche Zusammenhänge werden im Buch anschaulich dargestellt.
Neben der körperlichen Seite geht das Buch auch auf die sensorische Lateralität ein. Pferde können Informationen nicht immer völlig unabhängig von ihrer Körperseite verarbeiten. Das Buch beschreibt beispielsweise unterschiedliche Seitenpräferenzen bei der Wahrnehmung und bei Reaktionen auf ungewohnte oder furchteinflößende Situationen. Auch die motorische Händigkeit wird thematisiert. So können Pferde beispielsweise eine bestimmte Bewegungsrichtung bevorzugen oder sich auf einer Hand leichter tun. Das macht das Thema für mich besonders interessant: Lateralität ist eben nicht nur etwas, das man am Rücken oder an der Stellung des Pferdes erkennen kann.
Das Buch ist außerdem sehr bildlich aufgebaut. Gerade bei einem Thema wie Schiefe finde ich das hilfreich, weil man anhand von Fotos und konkreten Beispielen wesentlich leichter versteht, was eigentlich gemeint ist. Statt nur theoretisch über Lateralität zu sprechen, werden verschiedene Situationen aus dem Pferdealltag aufgegriffen. Dadurch lässt sich das Thema auch auf das eigene Pferd übertragen.
Was mir persönlich ebenfalls gut gefällt: Das Buch ist fachlich deutlich interessanter als viele typische Pferderatgeber, ohne dabei wie ein wissenschaftliches Lehrbuch geschrieben zu sein. Es versucht, verschiedene wissenschaftliche Erkenntnisse zu Lateralität zusammenzubringen und für Pferdebesitzer:innen und Trainer:innen verständlich aufzubereiten. Dabei werden auch Themen miteinander verbunden, die man sonst häufig getrennt betrachtet: Bewegung, Körperhaltung, Verhalten und Wahrnehmung.
Gerade wenn man sich dafür interessiert, warum ein Pferd bestimmte Bewegungen bevorzugt, warum es auf einer Seite anders reagiert oder was hinter dem Begriff „Schiefe“ eigentlich steckt, bietet das Buch viele interessante Denkanstöße. Besonders gut gefällt mir, dass es dazu anregt, genauer zu beobachten, statt eine Bewegung sofort als „richtig“ oder „falsch“ einzustufen. Für mich ist es deshalb ein Buch, das gut in meine kleine Sammlung an empfehlenswerten Pferdefachbüchern passt.
Quelle
[1] Krüger K, Marr I, Farmer K. Lateralität bei Pferden – Was körperliche Schiefe, motorische Händigkeit und sensorische Lateralität bedeuten und wie Pferde in Balance kommen. Kosmos, 2024.
