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„Equines Asthma“ von Hanne Störmer

Buchcover „Equines Asthma“ von Hanne Störmer

Atemwegserkrankungen beim Pferd sind ein Thema, bei dem besonders viele unterschiedliche Empfehlungen kursieren. Von Haltung und Fütterung über Heu und Einstreu bis hin zu Inhalation, Medikamenten und Bewegung gibt es unzählige Maßnahmen; und nicht alles, was sich gut anhört, ist auch wissenschaftlich sinnvoll. Genau hier setzt Hanne Störmers „Equines Asthma – Ursachen, Management, Therapie und Vorbeugung“ an.

Was mir an diesem Buch besonders gut gefällt: Es versucht nicht, komplexe Zusammenhänge auf ein paar einfache Regeln herunterzubrechen. Stattdessen werden die verschiedenen Aspekte des Equinen Asthmas ausführlich erklärt und wissenschaftlich eingeordnet. Das Buch behandelt dabei nicht nur die Erkrankung selbst, sondern geht sehr weit in die Ursachen, Diagnostik, Therapie und vor allem auch in das Management hinein. Mit 368 Seiten ist das Buch entsprechend umfangreich. Es ist definitiv kein Buch, das man mal eben nebenbei durchblättert. Gleichzeitig ist es so aufbereitet, dass auch Leser:innen ohne veterinärmedizinischen Hintergrund den Inhalten folgen können. Und genau diese Kombination finde ich richtig stark: fachlich anspruchsvoll, aber nicht unnötig kompliziert.

Besonders umfangreich ist der Teil über die Haltung und das Management asthmatischer Pferde. Dabei bleibt das Buch nicht bei allgemeinen Empfehlungen stehen, sondern beschäftigt sich auch mit den Details, die im Alltag schnell übersehen werden können. Gerade das finde ich interessant, weil Atemwegsmanagement eben nicht nur aus dem reinen Bedampfen von Heu besteht. Viele einzelne Faktoren können wechselwirken, und genau diese Zusammenhänge werden ausführlich betrachtet.

Ein weiterer Punkt, den ich an dem Buch sehr mag: Es geht auch auf Themen ein, bei denen es im Pferdebereich viele etablierte Vorstellungen und Empfehlungen gibt. Schon das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass die Autorin sich bewusst mit solchen Themen auseinandersetzt. Darunter finden sich beispielsweise Kapitel wie „Nicht nur die Pollen sind schuld“, „Was bewusst nicht auf dieser Liste steht“, „Der eigene Schnappschuss – urteilen, nicht wissen“ oder „Der Trick mit dem Doktortitel“. Auch alternative Angebote und Futtermittelwerbung werden kritisch betrachtet. Das Buch möchte also nicht einfach eine weitere Sammlung von Tipps liefern, sondern dazu beitragen, Informationen besser einzuordnen.

Für mich ist gerade die Kombination aus medizinischem Hintergrund und praktischer Haltung interessant. Das Buch behandelt nicht nur die Frage, wie Equines Asthma diagnostiziert und behandelt wird, sondern auch, welche Bedingungen im Alltag für die Atemwege relevant sind. Damit wird das Thema deutlich größer als die reine Medikamentengabe.

Auch Bewegung wird ausführlich behandelt: von Belastungsdauer über Trainingsaufbau bis hin zu Longieren und Reiten. Ebenso werden Stallluft, Einstreu, Raufutter und verschiedene Haltungsformen detailliert betrachtet.

Was ich an diesem Buch besonders schätze, ist genau das Gegenteil von vielen typischen Pferderatgebern: Es gibt nicht für jedes Problem einen einfachen Trick. Stattdessen wird immer wieder deutlich gemacht, dass man zunächst verstehen muss, was tatsächlich hinter einem Problem steckt, bevor man Maßnahmen ergreift. Gerade bei equinem Asthma ist das meiner Meinung nach besonders wichtig. Zwischen medizinisch sinnvollen Maßnahmen, gut gemeinten Empfehlungen, Marketing und teilweise sehr hartnäckigen Mythen ist es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Dieses Buch hilft dabei, genau diese Dinge auseinanderzuhalten.

„Equines Asthma“ ist für mich DAS Pferdebuch des Jahres 2026. Es ist wissenschaftlich fundiert, kritisch und ausgesprochen umfangreich, ohne dabei zu einem unlesbaren Fachbuch zu werden. Die Inhalte sind anspruchsvoll, werden aber verständlich erklärt und anhand vieler praktischer Zusammenhänge aufbereitet. Wer sich ernsthaft mit Atemwegserkrankungen beim Pferd beschäftigen möchte, bekommt hier sehr viel Stoff zum Lesen, Nachdenken und Hinterfragen.

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