Die Bewegung des Widerrists
Wenn über Lahmheit und Bewegungsasymmetrien gesprochen wird, steht häufig der Kopf des Pferdes im Mittelpunkt. Tatsächlich kann aber auch der Widerrist wichtige Informationen über das Bewegungsmuster liefern. Die vertikale Bewegung des Widerrists steht dabei in Beziehung zur Bewegung des restlichen Körpers und kann sich bei asymmetrischer Bewegung verändern. Eine aktuelle Studie von Taddey et al. [1] untersuchte deshalb nicht nur die Kopfbewegung, sondern auch die Bewegung des Widerrists bei Pferden mit und ohne Vorderhandlahmheit.
Der Widerrist liegt vergleichsweise nah am Körperzentrum und bewegt sich gemeinsam mit dem Rumpf. Dadurch kann seine Bewegung eine andere Information liefern als die des Kopfes. Bei einer asymmetrischen Bewegung der Vordergliedmaßen können sich sowohl Kopf als auch Widerrist vertikal bewegen. Die beiden Bewegungen müssen dabei aber nicht identisch sein. Gerade das Verhältnis zwischen Kopf- und Widerristbewegung kann deshalb interessant sein. Taddey et al. [1] untersuchten 55 klinisch als lahmfrei eingestufte und 34 natürlich lahme Pferde. Die Pferde wurden auf gerader Strecke sowie auf einem Zirkel auf unterschiedlichen Untergründen untersucht. Die Bewegungen von Kopf und Widerrist wurden dabei mit einem inertialen Bewegungssensor erfasst.
Die Studie zeigte bei lahmen Pferden deutliche Zusammenhänge zwischen der Asymmetrie der Kopf- und der Widerristbewegung. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang auf hartem Boden auf gerader Strecke sowie bei Pferden mit einer Lahmheit der inneren Gliedmaße auf dem Zirkel. Das ist interessant, weil dadurch nicht nur die Frage „Bewegt sich der Kopf asymmetrisch?“, sondern auch „Wie verhält sich der Widerrist gleichzeitig?“ betrachtet werden kann. Genau diese Kombination kann bei der Interpretation von Bewegungsdaten zusätzliche Informationen liefern. Eine einzelne Messgröße erzählt schließlich immer nur einen Teil der Geschichte. Gemeinsam betrachtet können die drei Bewegungsverläufe unterschiedliche Muster sichtbar machen. Dabei geht es nicht darum, aus einer bestimmten Widerristbewegung direkt auf eine bestimmte Erkrankung oder eine bestimmte Gliedmaße zu schließen. Die wissenschaftliche Untersuchung von Taddey et al. [1] zeigt vielmehr, dass die Beziehung zwischen verschiedenen Bewegungsparametern für die objektive Beurteilung interessant sein kann.
Quellen
[1] Taddey, C. M., Roecken, M., Kreling, K. M., & Cruz, A. M. (2024). Quantifying head and withers movement asymmetry in sound and naturally forelimb lame horses trotting on a circle on hard and soft surfaces. Equine Veterinary Journal, 57(5), 1219–1230. https://doi.org/10.1111/evj.14430.
